Gedichte – oder weniger II

Ab und zu habe ich auch mal ein recht annehmbares Gedicht fabriziert, wie dieses hier.

Steh auf


Dachtest du, dein Leben würde
sich verändern Stück um Stück?
Dachtest du, daß jede Hürde
ergebenst weicht vor dir zurück?

Dachtest du, er wird schon kommen,
der Ritter in der goldnen Tracht?
Dich zu retten, wenn unbesonnen
du Käfer jagst in tiefster Nacht?

Dachtest du, es wird schon werden,
die Welt dreht sich auch ohne dich?
Dachtest du, gibt es Beschwerden,
wendest du dich schon an mich?

Denkst du, jemand wir ja schon
dein Leben für dich leben?
Dir jede Antwort mundwarm geben?
Dir deine Meinung sagen
und deine Verantwortung tragen?
Dir verdienen deinen Lohn?

Es mag dich überraschen,
doch dem ist nicht so.
Glück gibt’s nicht in Flaschen.
Und Pfand allein macht auch nicht froh.

Sehr charmant auch der inzwischen aktuelle Bezug zum heißen Thema Flaschenpfand, das vor zwanzig Jahren noch niemanden interessiert hat. Was für ein visionäres Kind ich doch war! </sarcasm>

Ein weiteres, recht philosophisches Gedicht und auch das letzte, einigermaßen vorzeigbare in der Serie ist dieses:

Das Bild ist fertig, ich grundiere die Leinwand neu

Der letzte Ton ist aufgetragen,
facettenreich wie eh und je –
manchmal jubelnd, manchmal klagend
und der Abschied tut so weh.

Ich war nicht lange, es ging zu schnell,
doch keine Zeit, wie ich’s versteh,
könnt mich halten. Ist er auch hell
tut der Abschied doch so weh.

Entsinne mich ein letztes Mal
aller Töne und ich seh,
meist warn sie eine gute Wahl
und der Abschied tut so weh.

Neue Schicht von alter Farbe
deckt sie nun reichlich und ich geh.
Behalte ich auch manche Narbe
tut der Abschied doch so weh.

Wird jeder Ton auch anderswertig
ich bleibe meinen Farben treu,
und doch – das Bild ist fertig,
grundieren wir die Leinwand neu.

So, das genügt auch schon zum Thema Gedichte aus dem letzten Jahrtausend.

Foto: In Wallersdorf gibt es viele Weiher