Hörempfehlung: Was weiße Menschen nicht über Rassissmus hören wollen, aber wissen sollten
Hörempfehlung: Was weiße Menschen nicht über Rassissmus hören wollen, aber wissen sollten

Hörempfehlung: Was weiße Menschen nicht über Rassissmus hören wollen, aber wissen sollten

Auch, wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, zieht Alice Hasters zu Beginn die Samthandschuhe an und legt sie bis zum Schluss nicht ab. Geduldig, mitfühlend und verständnisvoll gibt sie Antworten auf viele Fragen, von denen ich zum Teil nicht einmal gewusst habe, dass ich sie stellen sollte. Anhand ihrer eigenen Biografie zeichnet sie ein eindringliches Bild der Lebensumstände von Schwarzen Menschen in Deutschland, mit einem Exkurs in das Heimatland ihrer Mutter, die USA. Auf Spotify kann man sich von Alice Hasters selbst ihre Geschichte vorlesen lassen, Link am Ende des Artikels. Nicht viele Autoren und nicht einmal alle professionellen Sprecher schaffen es, ein Buch zum Hörvergnügen zu machen. Alice Hasters schafft es.

Wobei „Vergnügen“ in Anbetracht des ernsten und teilweise deprimierenden Inhalts des Buches vielleicht das falsche Wort ist. Obwohl die Autorin weiße Menschen mit sehr viel Verständnis und Sanftheit anspricht, ließ mich Vieles vom Erzählten sehr betroffen zurück. Die Berichte von den zahllosen Mikroaggressionen, die sie als „Mückenstiche“ beschreibt, von den Ängsten und Sorgen, die sie ihr Leben lang begleiten, von der Ungerechtigkeit, die an der Wurzel unseres Gesellschaftssystems liegt, waren schwer zu ertragen.

Vieles von dem, was im Buch besprochen wird, hatte ich schon einmal gehört: besagte Mikroaggressionen, kulturelle Aneignung, Übergriffigkeit, Objektifizierung, um nur einige zu nennen. Wirklich verstanden hatte ich kaum etwas davon, beim manchem gar dem Kopf geschüttelt und mich gewundert. Alice Hasters geht auf all diese Themen ausführlich und verständlich ein. Sie nennt Beispiele und erklärt geduldig, mit dem Effekt, dass mir viele Dinge nun klarer sind.

Auch wenn ich das Buch auf jeden Fall noch einmal anhören muss und mich nicht an alle Details erinnern kann, so ist doch eine Erkenntnis geblieben: Es reicht nicht, kein Rassist zu sein, du musst Anti-Rassist sein. Das sagt Alice Haster so nicht, aber ich denke, es fast die Qintessenz ganz gut zusammen. Für mich ein wichtiges und wunderbar klar geschriebenes Buch, dass mir viele Fragen beantwortet und mich zu einem etwas weniger schlechten Menschen gemacht hat.

Ich möchte es jedem wärmstens empfehlen. Wer ein Spotify-Abo hat, kommt sogar ohne Mehrkosten in den ungekürzten Genuss. Besonders Menschen, die wie ich bei dem Titel Bauchweh und Unwohlsein bekommen, sollten es unbedingt hören oder lesen. Es lässt die Hörer:innen klüger und demütiger zurück und trägt, das finde ich zumindest, ganz entscheidend dazu bei, Rassissmus besser zu verstehen und sich angemessener zu verhalten.

Hier noch die offiziellen Angaben von der Website des Verlags. Weiter unten findet ihr den Link zu Spotify zum Anhören.

Warum ist es eigentlich so schwer, über Rassismus zu sprechen?

»Darf ich mal deine Haare anfassen?«, »Wo kommst du her?« Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch.
Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören. Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft.

  • Format: MP3-CD
  • Erschienen am : 21.02.2020
  • Label: tacheles!
  • Katalog-Nr: RD22033761
  • ISBN: 978-3-86484-649-6
  • EAN: 9783864846496

Bildquelle: Website des Verlags