Seelenschulden – Textprobe
Seelenschulden – Textprobe

Seelenschulden – Textprobe

Jeden Tag ein neuer Beitrag fühlt sich mehr und mehr wie eine blöde Idee an, aber noch bin ich nicht bereit, aufzugeben. Stattdessen ist mal wieder Recycling-Time! Der folgende Text ist ein Auszug aus meiner WIP Seelenschulden. Nachdem das Cover-Mockup das Erste ist, was du beim Aufrufen der Seite siehst, ist es sicherlich eine gute Idee, einen kleinen Asuzug zu präsentieren:


Erschöpft lehnte ich mich auf dem Stuhl zurück und sah Nura beim Schlafen zu. Wie friedlich sie jetzt aussah. War das ein Lächeln auf ihrem Gesicht? Schien fast so. Ich atmete etwas leichter. Der Schmerz in meiner Hand ließ nach, doch das Stechen im Brustkorb blieb. Ich hatte heute Morgen schon eine Menge Kraft verbraucht, um den Dämon zu töten. Jetzt den Rest davon in Nura zu pumpen, machte mich müde und schwerfällig. Ich konnte froh sein, wenn ich es wieder heil zurück zum Auto schaffte. Mühsam schob ich mich in die Höhe und wankte aus dem Zimmer. Nura sollte schlafen, das half ihr mehr als mein Gesicht nochmal zu sehen und sich zu fragen, warum es seit so langem schon nur noch in ihren dunkelsten Stunden auftauchte. Ich schloss die Tür hinter mir und ging den Flur hinunter.

»Warte.« Mona saß in der Küche. Sie bedeutete mir, mich zu ihr zu setzen.

Ich gehorchte.

Sie zündete sich eine Zigarette an. »Du kommst immer noch nicht zurück, hm?« Mit einem Nicken in meine Richtung blies sie den Rauch in die Luft. »Noch nicht fertig mit Weglaufen?«

Ich wich ihrem Blick aus. »Meine Kräfte gehorchen mir noch nicht wieder. Mehr als jetzt könnte ich sowieso nicht für sie tun.«

»Du könntest für sie waschen.« Mona deutete mit der Kippe auf die Küchenschränke. »Einkaufen. Putzen. Heizen. Alles Dinge, die ich mache. Während niemand sich um meine Bar kümmert. Du erinnerst dich an die Bar, oder, Gene?«

Natürlich erinnerte ich mich. Schweigend hielt ich den Kopf gesenkt.

Sie rieb sich über die Stirn, schüttelte den Kopf. »Nach Bennys Tod hatte ich mir geschworen, nie wieder einen Satz mit seiner Mörderin zu sprechen.«

Das Wort fraß sich in mein Ohr und hallte tausendfach in meinem Schädel wider. Mörderin. So sah mich Mona. Und sie hatte alles Recht dazu.

»Das hat nicht geklappt, leider. Aber wenigstens warst du fort und würdest keinen Fuß mehr in meine Bar setzen. Dachte ich, aber …« Sie schluckte, nahm einen tiefen Zug von der Zigarette und drückte sie mit einer fahrigen Bewegung aus. »Du musst zurückkommen, verdammt. Sonst verliere ich sie.« Sie stand auf, die Arme vor der Brust verschränkt. »Du musst wieder auftreten.«

Abwehrend hob ich die Hände. »Mona, ich …«

»Du musst! Das war die Bedingung.« Die Worte fielen ihr mächtig schwer, das war nicht zu übersehen.

»Wessen Bedingung?«

»Patricks. Hast du dich mal umgeschaut da draußen? Wenn ich die Bar behalten will, muss sie was bieten können, das sonst keiner hat.« Erschöpft sank sie wieder auf den Stuhl. »Ich schulde Patrick noch immer das Geld von der Renovierung. Du weißt schon, bevor alles den Bach runterging.« Sie funkelte mich an. »Als ich noch einen Bruder hatte und einen Plan für die Zukunft.«

Ich zuckte zusammen und senkte den Kopf.

»Du musst zurückkommen und wieder auftreten. Drei oder vier Mal in der Woche, am besten öfter. Ich kenne immer noch eine Menge Biker, viele davon sind Securities oder haben Kampfsporterfahrung. Für eine Runde Freigetränke machen die uns die Statisten. Damit können wir verschiedene Shows fahren. Du machst dein Ding. Superstärke, Supergeschwindigkeit, Superwiderstandsfähigkeit. Mit dem ganzen Gerede über Magie in den Medien in letzter Zeit und der allgemeinen Verwirrung, was Fakt ist und was Fiktion, wird das ein Anziehungspunkt für Gläubige und Skeptiker gleichermaßen.« Erwartungsvoll sah sie mich an. »Ich habe mir das genau überlegt und es ist die einzige Möglichkeit. Also, kannst du morgen anfangen?«

»Mona, ich …« Hilflos sah ich mich um. »Ich kann nicht, verstehst du? Telmara hat mich in der Hand. Sie wirft mich der Sonderkommision zum Fraß vor, wenn ich nicht mehr für sie arbeite.«

Stirnrunzelnd verschränkte sie die Arme. »Dann arbeite für sie und für mich. Ich brauche dich nur abends.«

Und Telmara brauchte mich morgens. Mit geballten Fäusten starrte ich auf meine Knie. Ich konnte nicht Nein sagen – das war meine Chance auf so etwas Ähnliches wie Wiedergutmachung. Vielleicht würde sie mir sogar eines Tages verzeihen können.

»Ich rede mit ihr. Irgendwie kriege ich das hin.« Mit einem zaghaften Lächeln stand ich auf.

Mona nickte, sah mich jedoch nicht an. »Morgen Abend, hörst du? Ich habe eine Freundin angerufen, sie passt ein paar Stunden auf Mama auf. Wir machen eine Privatvorstellung für Patrick und seine Gäste, um ihn zu überzeugen, dass das funktioniert.«

»Okay. Ich werde da sein.«


Bild: Michael Gaida von Pixabay