„Freunde sind wie Bohnen, sie sprechen hinten.“

So stand es vor vielen Jahren mal in einem Glückskeks, den Alex in unserem bevorzugten China-Restaurant geschenkt bekommen hatte. Bis heute ist uns diese mysteriöse Botschaft im Gedächtnis geblieben, denn was uns der Texter damit sagen wollte, hat sich uns nie erschlossen.

Nachdem dieser Artikel irgendwie der beliebteste auf diesem Blog ist und der Rest nach dieser markanten Einleitung ziemlich shice, gibt es jetzt eine aktualisierte Version, die sich tatsächlich mit der Frage beschäftigt, was dieser Spruch denn nun bedeuten soll.

Pseudosprachwissenschaftlicher Ausflug in die Glückskekstranslation

Das waren noch Zeiten, als Glückskekse solche herrlichen Übersetzungspatzer wie den aus der Überschrift enthielten. Inzwischen findet man in den hier erhältlichen Glückskeksen in der Regel weitaus weniger unterhaltsame Sprüche, wie „Geduld ist eine Tugend.“, „Ehrlich währt am längsten.“, oder „Sie sollten mal wieder ausschlafen.“ Das liegt vermutlich daran, dass die Dingerchen inzwischen in Deutschland hergestellt werden und nicht mehr den Anspruch haben, besonders Konfusius-like zu klingen.

Was aber bedeutet das denn nun: Freunde sind wie Bohnen, sie sprechen hinten?

Klar ist, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handelt. Warum also nicht die Mutter aller Übersetzungsfehler zurate ziehen? Gibt man dort den Satz ein und übersetzt ihn ins Chinesische, so erhält man das hier:

朋友如豆,在背後議論

– Ein Glückskeks

Ich kann kein Chinesisch und was dort steht, ist vermutlich grammatikalischer Käse, aber wenn wir das jetzt einfach ins Englische übersetzen (weil Amerikaner sich mit ihrer eigenen Sprache am besten auskennen), ergibt das:

„Friends are like beans, talking behind your back.“

Aha! Freunde (ja, deine Freunde, sorry, Kumpel) sind wie Bohnen, sie reden hinter deinem Rücken. Also über dich. Tata – da ist sie, des Rätsels Lösung. Dieser wohlmeinende Glückskeks warnte dich davor, dass „Freunde“ – im Allgemeinen oder zumindest deine – hinter deinem Rücken über dich reden. Nicht sehr nett, aber vermutlich wahr. Und was hat das nun mit Bohnen zu tun? Ich bin zwar infantil genug, um keine Gelegenheit für einen Furzwitz auszulassen, aber manche Dinge muss man auch fahren lassen können.

So! Jetzt wisst ihr, was der Glückskeks eigentlich sagen wollte. Ist nicht mehr so lustig, ergibt aber mehr Sinn. Wie fast alles im Leben, sobald man es verstanden hat.


Hier noch der ursprüngliche Artikel, in dem ich etwas von meinen Träumen fasele. Keine Ahnung, warum ich das damals für nötig gehalten habe, aber ich bewahre es trotzdem für die Nachwelt auf.

„Sie sollten mal wieder ausschlafen. “

Guter Tipp, danke Glückskeks. Du bist ein wahrer Freund. Ich habe mich da auch prompt dran gehalten und wie immer wenn ich das tue, eine Reihe faszinierender Träume gehabt. Unter anderem träumte ich, dass ich in ein Antiquariat ging, um mir eine gebrauchte Ausgabe des Handbuchs für Autoren zu kaufen. Denn: „Ohne geht es nicht“, findet das Literaturcafé. In meinem Traum fand ich das auch, war aber wie immer zu knickerig, um mir die aktuellste Ausgabe zu leisten, also bot mir die Antiquarin (nachdem sie argwöhnisch mein Painkiller-T-Shirt gemustert hatte) eine Ausgabe von 1996 zum Supersonderpreis von 1,99 Euro an.

Ich rechnete nach, dass ich in diesem Buch zu fast dreißig Jahren Literaturbetrieb – und zwar den aktuellsten dreißig Jahren – nichts würde finden können. Aber es war so schön billig. Also habe ich es – natürlich – gekauft, ebenso wie eine leicht zerfledderte Ausgabe einer chinesischen Adaption von Tove Jansons Mumins für 2,80 Euro. Hey, man lebt nur einmal.

Der Verstand in der Socke.

Danach träumte ich dann, dass ich meinen Schwiegervater von der Turnhalle abholte (was auch immer ihn dorthin verschlagen hat) und ihm attestierte, dass er „mehr Verstand in seinen Socken [hätte], als manche Männer in ihrem Kopf.“
Was mich zu dieser trauminternen Aussage bewegt hat, bleibt wohl ein Geheimnis meines Unterbewusstseins, aber es erinnerte mich an die Tatsache, wie viele wirklich tolle Menschen es in meinem Leben gibt.

Und da man sich am Jahresende gern darauf besinnt, wofür man dankbar ist und sein sollte, sage ich an dieser Stelle ganz herzlich Danke an all diese wundervollen Menschen, von denen die meisten regelmäßig vollkommen freiwillig ihre Stunden mit mir verbringen, und sei es nur am Telefon oder im Internet: Danke, ihr seid die Besten.

Foto: Zitronenjette, Hamburg