Meine satanische Ferse tut weh
Meine satanische Ferse tut weh

Meine satanische Ferse tut weh

Ich erinnere mich noch sehr gut an den indignierten Gesichtsausdruck von Vito C., als ich ihm mein abgerissenes Konzert-Ticket zum Signieren reichte, damals 200X in Deggendorf, als er sich vermutlich sowieso schon fragte, warum eine leidlich angesehene, fränkische Fun-Metal-Band überhaupt in einem niederbayerischen Kaff gastieren musste. Aber er hat das Ticket unterschrieben, so wie Hannes G. Laber, Ralph und Wolfram. An J.B.O. merke ich, dass ich alt werde, die waren früher irgendwie lustiger. Ich hab sogar noch ein T-Shirt mit der Aufschrift „Arschloch und Spaß dabei“, dass mir am Berliner Alexanderplatz ein paar Punks abschwatzen wollten. Heute würde ich das nicht mehr anziehen. Ich bin alt und weich geworden und habe gar keine so große Lust mehr anzuecken.

Darum geht es in diesem Beitrag aber gar nicht.1Zu der Einleitung verleitete mich ein höllisches Wortspiel vom 2000er J.B.O.-Album „Sex Sex Sex“: Was hat der Teufel hinten an seinem Fuß? Die satanische Verse. (Meine Essay-Dozentin würde bei dieser Einleitung wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.) Viel mehr geht es darum, dass ich für jemanden, der gerne in absehbarer Zeit einen Roman veröffentlichen will, bestechend schlecht fehlerfreie deutsche Sätze produziere.

Ich würde ja gerne Versengold die Schuld daran geben, dass mein Antagonist meiner Protagonistin dicht auf den Versen ist, statt auf den Fersen, und ich würde gerne meiner ehemaligen Deutschlehrerin Frau S. die Schuld daran geben, dass Kommasetzung bei mir Glückssache ist, weil man ihr deutlich anmerkte, dass sie eigentlich lieber Friseurin geworden wäre.

Ich würde gerne den Erfindern der Rechtschreibreform die Schuld daran geben, dass das „das“ bei mir regelmäßig zum „dass“ mutiert, was mir mit dem formschönen ß (dem in meiner preußischen Geburtsstätte als „Esszett“ und in meiner niederbayerischen Wahlheimat als „scharfem s“ bekannten Buchstaben, den die Welt nicht braucht, aber ich schon) nie passiert ist.

Und ich würde gerne der Tatsache, dass es zu meiner Zeit keinen vernünftigen Maschinenschreibkurs an den Schule gab, die Schuld daran geben, dass ich nach einem verrückten Vier-Finger-Hacksystem schreibe, durch das meine Texte regelmäßig mit einer Vielzahl irritierender Rechtschreibfehler gespickt sind, die mir auch beim siebten Lesen nicht auffallen.

Aber wenn ich wirklich ganz, ganz ehrlich zu mir bin, dann liegen die oben genannten Dinge einfach daran, dass ich ungeduldig bin. Schludrig. Respektlos gegenüber meinen Werken und meinen Leser:innen. Das Sprichwort sagt: Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Und es ist wahr, dass eine Reise von Tausend Meilen mit dem ersten Schritt beginnt. Auch wahr ist allerdings, dass ich den ersten Schritt getan, einen Stuhl aufgestellt und es mir mit einem kühlen Glas Orangensaft gemütlich gemacht habe. Bevor ich jedoch alle unnötig vergnatze, habe ich außerdem auch eine Korrektorin engagiert. Nicht für den Blog. (Bin ich Krösus?) Aber für den Roman. So kann ich tun, was ich am besten kann (labern schreiben) und sie kann tun, was sie deutlich besser kann als ich: richtig gutes Deutsch.


Bild: borismayer77 auf Pixabay.com